Zu den Waffen!

Tragische Ereignisse führten dazu, dass ich seit langem mal wieder eine katholische Messe besucht habe. Ich war im Vorfeld durchaus neugierig auf die Veranstaltung und beschloss dort aufmerksam zu zuhören. Als überzeugter Atheist war ich zunächst etwas verwundert, dass ich auch freien Eintritt zu der Location genoss.

Los gings mit Orgelmusik. Als Intro ganz OK. Dann kam eine Ansprache eines älteren Herrn die mehrfach darauf hinwies, dass die Gesetze für uns nicht gelten und mit den Worten schloss: ‘Wenn das Gesetz Recht wäre, hätte Jesus umsonst gelebt.’ Das hatte ich nicht erwartet. Ein offener Aufruf zur Revolution! Und das von einem Typen, den ich eher der CDU-Ecke zugeschrieben hätte. ‘Zu den Waffen! Zu den Waffen!’ denke ich mir und wundere mich ein wenig das dieser Aufruf ungehört verpufft. Lag vielleicht auch ein wenig an der gelangweilten Vortragsweise. Die gleichen Worte von einem feurigen Iman in eine ausverkaufte Moschee gedonnert und schon sehe ich etwaige Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet mit ganz anderen Augen.

Nach diesem doch recht interessanten Teil, wieder Orgelmusik. Daran sollte man arbeiten. Dann eine Geschichte von einem Kuttenträger mit ausgebreiteten Armen vorgetragen. Schon sehr spannend muss ich zugeben. Ich frage mich nur, wo eine arme Sünderin so ein teures Behältnis mit feinsten Ölen herbekommt. Aber egal, der Teil mit der Geschichte geht auf jeden Fall als Plus auf das Konto. Man sollte nur nicht immer die gleiche Hauptrolle wählen. Ein Schwank aus der Jugend eines Ozzy Osbourne wäre doch auch mal was.

Die Songauswahl nervt mittlerweile komplett. Spannend wird es wieder bei der Zaubereinlage. Beschwörungsformeln und magische Handbewegungen sollen anscheinend das dicke Buch vor dem Kuttenträger zum Schweben bringen. Leider geht dieser Teil der Veranstaltung völlig in die Hose. Es passiert wieder Erwarten gar nichts.

Alles in allem gab es bei diesem Event durchaus interessante Ansätze: Typen mit Kutten, gesenktem Haupt und Kerzen in der Hand in einem mittelalterlichen Ambiente sind auf jeden Fall bestens zur Verbreitung revolutionären Gedankenguts geeignet. Die Geschichte war nicht ganz schlüssig, aber unterhaltsam. Bleibt aber noch die durchweg miserable Songauswahl und die dilettantische Umsetzung der Magiershow.

Also lieber Franziskus: Die Setlist komplett überarbeiten und professionelle Zauberkünstler einstellen. Und schon haben eure Veranstaltungshallen wieder regen Zulauf.

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